Hochofenwerk-Marsch


Das Werk schützt uns vor Not,

Vor Kummer und vor Sorgen,

Gibt Arbeit uns und Brot

An jedem neuen Morgen.


Wo Mutterliebe Blüht,

Gedeihen auch die Kinder;

So sich das Werk bemüht 

Um unser Wohl nicht minder.


Drum laßt uns immerzu

Die Hände fleißig regen;

Das Schicksal gibt dazu

Bestimmt dann seinen Segen.


Wo auch das Werk uns braucht,

Wir woll'n ihm alles geben,

Wenn jeder Schornstein raucht,

Wird es noch lange leben.


Komposition: Paul Trede

Dichtung: Otto Gestefeld


Der Abend


Du Abend, hinsterbend,

Ziehst friedlich ins Land.

Du linderst die Schmerzen

Mit lieblicher Hand.

Du läßt uns erkennen,

Daß alles entschwebt,

Daß alles vergänglich,

Was lebt und was strebt.


Die Freude, die Jugend,

Die Schönheit, das GLück,

Die Not und die Sorge 

Und widrig Geschick,

Die seligen Tage,

Die Kinder des Lichts,

Die gramvollen Stunden

Entschwinden in nichts.


Das Leben, das kurze,

Es ist nur ein Traum.

Schnell ist es entschwunden 

Im ewigen Raum.

Wie Schatten versinkt es

In finstere Nacht

Im ewigen Wechsel,

Eh' man es gedacht.


Komposition: Paul Trede

Dichtung: Rudolf Erben




Eckhard Blach und Jan Hammerich und das Hochofenwerk in Lübeck-Herrenwyk

Lübecker Nachrichten, 24.8.1985

"Ein wehmütiger Streifzug durch Lübecks Ruhrpott

Wenigstens das bleibt: Herrenwyk und seine Hütte, komprimiert auf eine knappe Stunde. Und zwar in einem Film, der jetzt im Forum Premiere hatte. "Das hätten wir uns nie träumen lassen", so hat der 24jährige angehende Kunststudent Eckhard Blach aus der Schwartauer Allee seinen Streifen genannt.

Seit 1983 hat Blach - zunächst gemeinsam mit dem schon Kunst studierenden Jan Hammerich - an diesem Film gearbeitet. Als Produzenten tauchen die beiden Namen und der der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg, dem Ort ihrer Studien auf.

Mit diesem Film ist ein beeindruckendes Kapitel Stadtgeschichte fetsgehalten worden. Und zwar in einer Art, die man bei solchen Dokumentationen viel öfter erleben möchte: Mit behutsamer Hand wurde die Kamera geführt; eine große Sensibilität hat den Filmemacher gerade eben nur mit ein paar beutsamen Fragen zu Worte kommen lassen.

Ohne Kommentar

Zu hören sind sonst nur die, die vor allem berufen sind, sich über den kleinen Ruhrpott an der Trave zu äußern: Die menschen, die dort wohnen; für die die Hütte erheblich mehr war als nur der Arbeitgeber. Was sie sagen, bleibt unkommentiert, wird nicht besserwissend erklärt - und wirft somit viele Fragen auf.

In vielen Gesprächen mit Herrenwykern und unter zuhilfenahme historischer Fotos und älterer eingearbeiteter Filmaufnahmen zieht vor dem Betrachter das Herrenwyk der Vergangenheit und der Gegenwart vorüber.

Grundlage dafür sind die vier Strophen des Hochofenwerk-Marsches, deren Texte in der Mentalität der "Übermutter Hütte" den einzelnen Sequenzen vorangestellt sind. "Das Werk schützt uns vor Not, vor Kummer und vor Sorgen, gibt Arbeit uns und Brot an jedem neuen Morgen" heißt es da - und gleich darauf sagen die drei nun arbeitslosen Männer, die im Garten am Kaffeetisch mit der Blümchendecke den Film begleiten: "Die haben uns angeschissen, wo wir dabeistanden." Das Leben in den 20er und 30er Jahren in Herrenwyk: Wir Frauen, so zwei sachkundige Kommentatorinnen, waren ja nur am Putzen. Wann immer die Zementmaschine, die "Agromaria", losspuckte, kam man vom Feudeleimer gar nicht weg.

Ein uralter, von den Schichten am Hochofen Gebeugter, der in seinem geliebten Garten herumpusselt, sagt ganz lakonisch: "Was auf der Erde wuchs, das kannste nicht essen. Unter der Erde muß es sein.!" Und sein ebenso beträchtlich in die Jahre gekommenes Gegenüber ruft in Erinnerung, was früher so der Schnack gewesen sein soll: "Was? Der ist schon zwei Jahre auf der Hütte und noch nicht tot? Dann hat er nicht gearbeitet."

Dennoch: Früher, da war alles so familiär. Früher, als noch rotglühendes Eisen durch die Hütte floß - welch ein Glück, daß es diese Aufnahmen gibt - , als Tausende von 6 bis 14.30 Uhr arbeiteten und sich dann der Familie in den bescheidenen Siedlungshäuschen widmen konnten. Früher, als Gleise und Kräne noch nicht Rott und Schrott gewesen sind. Früher, bevor so "eins nach dem andern sowegging" und schließlich alles, was Metallhütte hieß, für den Preis einer Packung Zigaretten verscherbelt wurde.

Treffpunkt Trinkhalle

Und heute? Heute trifft man sich an der Trinkhalle - in der einen Hand die Flasche Bier, in der anderen die Zigarette - zum Totschlagen der Zeit, mit abgedroschenen Witzen. Weitere Vorführtermine: 26.8., 19 Uhr Gemeindesaal Herrenwyk, Hüttenstraße, Eintritt frei; 29.8., 20 Uhr, Forum Mengstraße 35 (2 Mark); 16. bis 18.9., 22.15 Uhr Hoffnung-Lichtspiele.

Albrecht Schreiber